Freising (energate) – „Wir warten hier in Bayern teilweise seit fünf Jahren auf einen Netzanschluss für unsere Projekte“, monierte Heinrich Gärtner, Gründer und CTO von GP Joule sowie Vorstand des Erneuerbarenverbandes LEE Bayern, im Interview mit energate. Dementsprechend deutlich wird er, wenn es um die fehlenden Netzanschlusskapazitäten geht. Dieser Umstand bedrohe nicht nur sein Unternehmen, sondern Deutschland als Standort insgesamt. Die Überbauung der Anschlusskapazitäten wäre aus seiner Sicht eine Lösung.
Doch nicht nur im Stromnetz gibt es massive Blockaden für die Energiewende. Sondern dazu gehört aus Sicht von Gärtner auch der geplante Industriestrompreis. Dieser verhindere, dass Unternehmen sich wirklich mit Flexibilisierung auseinandersetzen und diese vorantreiben. „Wir haben das in Verhandlungen mit Industriebetrieben deutlich gespürt. Seit der Industriestrompreis auf dem Tisch ist, sind viele Prozesse ins Stocken geraten“, betont der Technik-Chef von GP Joule.
Stattdessen hätte sich Gärtner mehr Engagement bei den Klimaschutzverträgen gewünscht. Die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) angekündigten sechs Mrd. Euro für die zweite Ausschreibungsrunde seien nur ein Anfang. Sie ergäben volkswirtschaftlich aber immerhin mehr Sinn als der Industriestrompreis.
Vertrauen auf bayerische Staatsregierung
Beim Wasserstoffhochlauf wünscht sich Gärtner vor allem ein stärkeres Bekenntnis der Politik. Auch wenn das H2-Kernnetz bereits seit Frühling dieses Jahres errichtet wird, seien hier noch viele Fragen offen – auch für die Verteilnetze. Das schaffe zusätzliche Verunsicherung. GP Joule selbst ist sowohl in der Erzeugung als auch dem Vertrieb von Wasserstoff im Verkehrssektor tätig.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) macht derweil weniger mit Aussagen zum Wasserstoffmarkt als mit der Ankündigung, das Klimaziel 2040 verschieben zu wollen, auf sich aufmerksam. Gärtner macht das hellhörig. Der LEE Bayern beobachte die Staatsregierung sehr genau, sagt er zu energate. Jede regulatorische Änderung bedeute Planungsunsicherheit für die Industrie und Wirtschaft. Gerade in der Energiebranche habe man sehr lange Investitionszyklen.
Allerdings gibt sich der Verbandschef auch positiv in Anbetracht der jüngsten Zusammenarbeit mit der bayerischen Landesregierung. Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sei beispielsweise ein verlässlicher Unterstützer beim Thema Wasserstoff. Auch beim geplanten bayerischen Beteiligungsgesetz habe es eine intensive Einbindung von Kommunen und Verbänden gegeben. Insgesamt vertraue man also auf die Ziele der Staatsregierung und deren Bekenntnis. /lm


