Brüssel (energate) – Die EU-Kommission hat die EU-Digitalvorschriften vereinfacht – mit Folgen auch für Energieunternehmen. Insbesondere Netzbetreiber können künftig von vereinfachten Melde- und Compliance-Pflichten profitieren. Das als „Digital Omnibus“ vorgestellte Digitalpaket der EU-Kommission bündelt und strafft Vorschriften in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Cybersicherheit und Datenschutz. Besonders für den sensiblen Energiesektor sind die Neuerungen von Bedeutung.
Eingeführt werden soll ein einheitliches Meldeportal für Cybersicherheitsvorfälle. Bislang mussten Energieunternehmen – als Teil der kritischen Infrastruktur – Incident-Reports unter mehreren, komplexen Rechtsvorschriften einreichen. Darunter die 2023 verschärfte Cybersicherheits-Richtlinie (NIS-2), die Datenschutz-Grundverordnung (GDPR) und der Digital Operational Resilience Act (DORA). Künftig erfüllen sie alle Meldepflichten über eine zentrale Stelle. DORA betrifft zwar primär den Finanzsektor, aber auch Energieunternehmen, wenn sie Finanzdienstleistungen anbieten.
KI als Schlüsseltechnologie für Netzbetreiber
Vereinfacht wurde auch das EU-KI-Gesetz, das seit August 2024 in Kraft ist. Die neuen, innovationsfreundlicheren KI-Regeln erkennen die besondere Bedeutung künstlicher Intelligenz für die Steuerung und Optimierung von Energienetzen an. Netzbetreiber sind auf leistungsfähige KI-Systeme angewiesen, um die Stabilität der Netze angesichts wachsender Erneuerbarer-Energien-Einspeisungen und dezentraler Strukturen zu gewährleisten. Der „Digital Omnibus“ erleichtert ihnen den Zugang zu „regulatorischen Sandkästen“ und erweiterten Testmöglichkeiten, um solche KI-gestützten Lösungen für die Netzführung sicher zu entwickeln und einzusetzen.
Für den europäischen Verband der Stromindustrie, Eurelectric, ist KI wichtig: „Digitale Technologien und KI bergen das Potenzial, die Art und Weise, wie wir Strom erzeugen, verwalten und verbrauchen, grundlegend zu verändern und ein widerstandsfähigeres und effizienteres Stromsystem zu schaffen“, sagte Eurelectric-Generalsekretär Kristian Ruby auf einer Veranstaltung an der kalifornischen Stanford University. Dort traf er mit dem Electric Power Research Institute eine Kooperationsvereinbarung und trat deren „Open Power AI Consortium“ bei. Dies ist ein globales Konsortium, das darauf abzielt, die Entwicklung und Einführung von künstlicher Intelligenz im Energiesektor zu beschleunigen. „Strom ist auch die Basis für KI selbst – ohne sauberen und zuverlässigen Strom ist eine digitale Revolution unmöglich“, sagte Ruby.
Innovationsfreundlicher Datenschutzrahmen
Die Vereinfachung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) aus dem Jahre 2018 soll zudem Innovationen fördern und die Compliance für Unternehmen erleichtern, ohne den Schutz personenbezogener Daten zu beeinträchtigen. Die DSGVO hat für Energieunternehmen besondere Bedeutung, da sie mit sensiblen Daten in großem Umfang umgehen. Dazu gehören Kunden- und Vertragsdaten, Mitarbeiterdaten und Verbrauchsdaten von intelligenten Zählern, die wegen der dezentralen Erzeugung zu einer immer größeren Datenquelle werden.
Das europäische Geschäftswallet ermöglicht zudem Energieunternehmen, Dokumente digital zu signieren, zu siegeln und sicher mit Behörden und Partnern in allen Mitgliedstaaten zu kommunizieren.
Die Legislativvorschläge werden nun dem EU-Parlament und dem Rat zur Annahme vorgelegt. Die Maßnahmen werden voraussichtlich bis 2029 zu spürbaren Bürokratieentlastungen für die europäische Energiewirtschaft führen. /rl


