Willich (enerchase) – Die vergangene Handelswoche endete für die Emissionszertifikate ohne klare Richtung. Der EUA-Dez-25-Future gab leicht um 0,6 Prozent auf 80,45 Euro/t CO2 ab. Auch die aktuelle Woche eröffnete mit moderaten Veränderungen. Am Dienstag ging es dann allerdings kräftig aufwärts (+1,5 %), gestützt von Fortschritten bei einem möglichen US-vermittelten Friedensrahmen für die Ukraine und freundlich tendierenden Aktienmärkten. Schwache US-Konjunkturdaten schüren die Erwartung, dass die Fed im Dezember erneut lockern könnte. Daraufhin testeten die CO2-Zertifikate die Trendhochs oberhalb von 82 Euro/t CO2, konnten diesen Widerstand bislang aber nicht nachhaltig überwinden. Zu beachten ist zudem, dass am Donnerstag in den USA „Thanksgiving“ ist, womit der übliche Kaufdruck am Nachmittag, der regelmäßig durch die Amerikaner verursacht wird, diesmal wegbricht.
Spekulanten ohne neue Impulse
Die CoT-Daten der ICE Endex per 21. November 2025 zeigen eine nachlassende Aufwärtsdynamik bei den Investmentfonds. Nachdem die Fonds in der Vorwoche ihre Long-Positionen noch ausgeweitet hatten, zeigt der jüngste Bericht einen minimalen Rückgang auf 130,6 Mio. EUA. Gleichzeitig bleibt auch die Short-Seite nahezu unverändert bei 29,6 Mio. EUA. Diese nur sehr geringen Verschiebungen führen dazu, dass die Netto-Position der Fonds leicht auf rund 101 Mio. EUA zurückgeht. Dies ist ein marginales Minus, das jedoch nichts an der grundsätzlich rekordhohen Netto-Long-Ausrichtung ändert.
Damit setzt sich das in der Vorwoche skizzierte Bild einer klar bullishen Grundhaltung fort, allerdings ohne weiteren Impuls auf der Long-Seite. Die Fonds agieren eher abwartend und scheinen ihre bestehenden Positionierungen weitgehend zu halten, was gut zu einem Markt passt, dessen vorangegangene Aufwärtsbewegung ins Stocken geraten ist. Die fehlende Fortsetzung des Long-Aufbaus deutet darauf hin, dass die Spekulanten zwar weiterhin mit einem strukturell festen Markt rechnen, kurzfristig aber keine klare Richtungserwartung aufbauen. Dass auch die Short-Seite praktisch unverändert bleibt, unterstreicht diesen neutralen Zwischenzustand. Gleichzeitig bleibt die absolute Höhe der Netto-Long-Position bemerkenswert: Mit rund 101 Mio. EUA befinden sich die Investmentfonds weiterhin auf dem höchsten Stand der vergangenen Jahre. Dieser strukturelle Long-Bias wirkt stabilisierend.
Klimagipfel Cop 30 endet mit schwachem Kompromiss
Der Cop-30-Klimagipfel in Belem, Brasilien, endete am Samstagabend, den 22. November, mit einem schwachen Kompromiss: Zwar sollen wohlhabende Länder ihre Klimaanpassungshilfen verdreifachen, doch zentrale Forderungen wie der verbindliche Ausstieg aus fossilen Energien wurden blockiert. Ein klarer Fahrplan oder verbindliche Maßnahmen fehlten, stattdessen wurde nur ein freiwilliger Plan angeboten. Die USA blieben dem Gipfel zudem weitgehend fern, was eine globale Einigkeit in der Klimapolitik erschwert. China nutzte das Vakuum für eine starke wirtschaftliche Präsenz und bot sich als Anbieter sauberer Energietechnologien an, während auch Indien und Südafrika ihre Positionen stärkten. Enttäuschung herrschte bei indigenen Gruppen und Umweltschützern, da weder ihre Rechte noch das Ziel der Entwaldung bis 2030 klar verankert wurden.
Britische Regierung lockert Lizenzpolitik für Öl und Gas
Großbritannien erlaubt künftig neue Öl- und Gaslizenzen, wenn sie sich auf bestehende Felder und Infrastruktur beziehen, was eine Abkehr von der früheren Null-Lizenz-Politik darstellt. Gleichzeitig bleibt die Sondersteuer für Energieunternehmen, die sogenannte Energy Profits Levy (EPL), bis 2030 bestehen, obwohl die Branche auf ein früheres Ende gehofft hatte. Die Steuer kann eine Gesamtbelastung von bis zu 78 Prozent auslösen, wenn Preisgrenzen überschritten werden. Präsident Donald Trump kritisierte die britische Klimapolitik scharf und forderte mehr Bohrungen in der Nordsee. Die Regierung plant, Einnahmen aus Öl und Gas in erneuerbare Energien zu investieren.


