Düsseldorf (energate) – Der weltweite Markt für saubere Umwelttechnologien (Cleantech) könnte bis 2035 auf rund 5.000 Mrd. Euro jährlicher Kapitalinvestitionen anwachsen. Das zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung von McKinsey & Company, die energate vorliegt. Dabei werden die Perspektiven für 15 Technologien in sechs Clustern analysiert. So könnten Cleantech-Investitionen rund ein bis zwei Prozentpunkte zum globalen BIP beitragen und 25 bis 30 Mio. Arbeitsplätze schaffen.
McKinsey identifiziert E-Mobilität, saubere Energien und Stromsysteme als die drei größten Felder. Zusammen entfallen auf diese Segmente etwa 84 Prozent der prognostizierten Ausgaben. Die Elektromobilität allein macht dabei den größten Anteil, rund die Hälfte, mit 2.500 Mrd. Euro jährlich aus. Dagegen liegen Technologien wie Solar, Wind, Wärmepumpen und Geothermie bei 18 Prozent der geschätzten Investitionsausgaben. Energiesysteme, einschließlich Netzen und Batteriespeichern, kommen auf insgesamt 16 Prozent der globalen Investitionen.
CCUS und Geothermie in Entwicklungsphase
Der Analyse nach befinden sich die Cleantech-Technologien CCUS (Carbon Capture, Utilization and Storage) und Geothermie in der Konzept- und Entwicklungsphase. Europäische Industrieunternehmen haben in diesen Bereichen einen Wettbewerbsvorteil, was auf die Klimapolitik der EU sowie Förderprogramme zurückzuführen sei. Diese Programme sollen Anreize für die frühe Einführung und Skalierung der Technologien schaffen. Bislang machen kohlenstoffnegative Lösungen, vor allem die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlenstoff (CCUS), etwa 3 Prozent der Investitionen aus.
Großteil der Cleantech-Investitionen jenseits von Europa
Viele der lukrativen Wertschöpfungsschritte sind global handelbar, sodass Industrien in Europa in direkten Wettbewerb mit Anbietern aus den USA und China treten. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass rund 5 Prozent der Investitionen fest an Europa gebunden sind, etwa durch Deployment- oder Onsite-Aufgaben. Weitere 20 Prozent seien generell für andere Regionen gebunden. 75 Prozent sind demnach global umkämpft und potenziell von jedem Hersteller weltweit zu gewinnen.
In Bereichen wie Elektrolyseure oder bestimmten grünen Materialien haben europäische Firmen einen technologischen Vorsprung. Bei der Massenfertigung von Batteriezellen dominieren hingegen chinesische Hersteller. McKinsey betont, dass der „größte Preis“ in Technologien liegt, die sich derzeit in der Kommerzialisierungs- und Skalierungsphasen befinden. Genau hier, so die Analyse, muss Europa schnellere Produktzyklen, niedrigere Kosten und größere Fertigungskapazitäten liefern. So bringen chinesische Hersteller Modelle oft innerhalb von 21 Monaten vom Konzept zum Piloten, während europäische Hersteller teils vier Jahre brauchen. Zudem sind sie circa 20 bis 30 Prozent günstiger als europäische OEMs.
F&E in Europa kostengünstiger und schneller machen
McKinsey empfiehlt daher eine neue, radikale Betriebs- und Innovationslogik bei Forschung und Entwicklung (F&E). Angebracht seien kürzere Entwicklungszyklen, ein aggressives Kostensenkungsprogramm, weltweite Lieferketten-Partnerschaften und ein Fertigungs-Reboot. Politik und Industrie sollen kooperieren, etwa durch gezielte Förderinstrumente, vereinfachte Genehmigungen und Finanzierungsmodelle, die Risikoabbau bei der Skalierung erlauben.
Europa habe das Talent, den Ehrgeiz und das industrielle Rückgrat, um den Cleantech-Wettbewerb zu gewinnen, sagte Daniel Rexhausen, Senior Partner bei McKinsey und Co-Autor der Studie. „Allerdings schläft die internationale Konkurrenz nicht, sodass Politik und Industrie in Europa schnell handeln müssen“, so Rexhausen. Für die neue „Innovations-Industrialisierung“ brauche es Kostensenkungen, Leistungssteigerung und eine hohe Skalierung von Cleantech. /hp


