Ludwigshafen(energate) – Die Pfalzwerke Netz betreiben Stromleitungen mit einer Gesamtlänge von etwa 15.500 Kilometern – von der Niederspannung bis zur 110-kV-Ebene. Der Flächenbetreiber steht vor allem durch die hohe Zahl an PV-Anlagen vor Herausforderungen, wie Vorstand Holger Birl im energate-Gespräch ausführte. Sein Lösungsansatz: Digitalisierung.
energate: Welche Herausforderungen haben Sie aktuell bei der Bewirtschaftung des Stromnetzes?
Birl: Die Bestrebungen zur Umsetzung der Energiewende und die hohen Schwankungen der Energiepreise der vergangenen Jahre haben zu einer völlig neuen Dynamik beim Hochlauf der Erzeugungsanlagen geführt. Das überwiegend durch ländliche Strukturen geprägte Netzgebiet der Pfalzwerke mit seinen circa 366.000 Entnahmestellen war insbesondere in den Jahren ab 2022 von einem außerordentlich starken Boom neuer Erzeugungsanlagen in der Niederspannung geprägt. Das Jahr 2023 markierte – wie bei den meisten Netzbetreibern – den absoluten Höhepunkt des Zubaus, welcher nicht nur die Netzinfrastruktur, sondern ebenso das gesamte Unternehmen und dessen Organisation prägte. Hiervon zeugen die heute mehr als 50.000 Erzeugungsanlagen, deren Anzahl sich allein in den letzten drei Jahren fast verdoppelt hat.
energate: Welche Lösungen sehen Sie für die Herausforderungen im Verteilnetz?
Birl: Die sowohl in der politischen Diskussion und mittlerweile auch seitens der Bundesnetzagentur eingeforderte Digitalisierung der Netze und Prozesse wird zu einer entscheidenden Maßnahme. Auch uns war schon frühzeitig bewusst, dass wir die Entwicklung im Bereich der Anschlussgesuche für Erzeugungsanlagen nicht allein mit einem Aufbau an Mitarbeitenden bewerkstelligen können. Abgesehen davon, dass Fachkräfte am Markt immer schwerer verfügbar sind.
energate: An welcher Stelle kann die Digitalisierung den Bedarf an Fachkräften konkret senken?
Birl: Ein für uns wichtiger Ansatz war die Digitalisierung der bis ins Jahr 2023 bei uns noch vorwiegend papierbasierten Prozesse für Netzanschlussgesuche. Diese stehen in gewisser Weise stellvertretend für all das, was mit dem gesamten Themenkomplex der Digitalisierung im Unternehmen verbunden ist. Zur Digitalisierung gehört nämlich mehr, als nur ein Papierdokument in ein webbasiertes Frontend zu transformieren, welches am Ende eine E-Mail generiert. Ziel musste es daher sein, die Digitalisierung End-to-End zu betrachten, wobei das eine Ende der Kunde oder Installateur ist und das andere Ende viele Einzelprozesse und Systeme, die optimalerweise ohne Medienbruch angeschlossen werden. Dass dies bei einer bereits bestehenden Systemlandschaft aus ERP, GIS oder anderen IT-Systemen.


