Berlin (energate) – In Deutschland ist an vielen Stellen noch unklar, welche Rolle Batteriespeicher im Stromnetz spielen sollen. In Australien ist für Speicher teilweise schon genauer festgelegt, wie sie eingebunden werden. Ausgrid, Australiens größter Stromnetzbetreiber entlang der Ostküste, treibt den Einsatz gemeinschaftlich genutzter Batteriespeicher voran. Im Gespräch erläutert Felix Keck, Commercial Director bei Ausgrid, welche Rolle diese Community Batteries für Netzstabilität, Kosteneffizienz und lokale Energienutzung spielen, wie das Zusammenspiel mit Energieversorgern funktioniert und welche Perspektiven er für vergleichbare Modelle in Deutschland sieht.
energate: Sie haben Gemeinschaftsspeicher, sogenannte Community Batteries, installiert. Wie funktionieren diese und welche Vorteile bringen sie?
Keck: Um das Netz auf erneuerbare Energien vorzubereiten, installiert Ausgrid Gemeinschaftsbatterien – mittelgroße Energiespeicher mit einer Kapazität von 100 kW bis 5 MW. Diese Batterien speichern überschüssigen Solarstrom aus der Nachbarschaft und geben ihn wieder ab, wenn die Nachfrage hoch oder die Erzeugung gering ist. Für Verbraucher bedeutet das niedrigere Stromkosten, mehr Versorgungssicherheit und eine stabilere Netzinfrastruktur. Da lokal erzeugte Energie gespeichert und verteilt wird, sinkt die Netzbelastung und damit auch die Kosten. Gleichzeitig stabilisieren Batterien schwankende Einspeisungen aus Photovoltaik oder Wind und sorgen für eine konstante Spannung im Netz.
energate: Welche Nachteile könnten für Verbraucher entstehen?
Keck: Gemeinschaftsbatterien sind im Grunde ein Win-Win-Win-Modell – für Verbraucher, Energiemärkte und das Netz. Sie bringen keine echten Nachteile mit sich, sondern schaffen Mehrwert auf mehreren Ebenen. Für Verbraucher entstehen geringere Kosten, da ein zentraler Speicher günstiger ist als viele kleine Batterien in einzelnen Haushalten. Gleichzeitig profitieren Energiemärkte, weil Gemeinschaftsbatterien Flexibilität bereitstellen und Lastspitzen abfedern. Für Netzbetreiber wiederum verbessern sie die Stabilität und reduzieren den Bedarf an teuren Netzausbauten. So wird Energiespeicherung für alle zugänglich – auch für Mieter, Bewohner von Mehrfamilienhäusern oder einkommensschwache Haushalte. Gemeinschaftsbatterien nehmen überschüssigen Solarstrom auf, der sonst abgeregelt werden müsste, und führen ihn bei Bedarf wieder zu.
energate: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Stromanbietern?
Keck: Ausgrid baut, besitzt und betreibt die Gemeinschaftsbatterien. Als Netzbetreiber behält es die Kontrolle für Netzstabilität, während freie Kapazitäten ausgeschrieben werden, damit Energieversorger sie nutzen können. Unabhängig davon wird das innovative Local-Use-of-System (LUOS)-Angebot mit Stromanbietern betrieben, das bestimmte Mindestkriterien erfordert. Dieses vergünstigte Tarifmodell spiegelt wider, dass lokal erzeugte Energie im Umfeld der Batterie genutzt und die Abhängigkeit vom Übertragungsnetz verringert wird. Auf dieser Grundlage können Energieanbieter ihren Kunden Energy-Storage-as-a-Service anbieten. Verbraucher profitieren, indem sie die Gemeinschaftsbatterie wie ihren eigenen Speicher nutzen. Das senkt Kosten, stärkt die Eigenversorgung und fördert gemeinschaftliche Energienutzung. Ausgrid konzentriert sich auf den Betrieb der Infrastruktur, während Stromanbieter den Kunden- bzw. Energiemarktzugang übernehmen.
energate: Welche Chancen sehen Sie für Gemeinschaftsspeicher in Deutschland?
Keck: Deutschland steht vor ähnlichen Herausforderungen wie Australien: Mit wachsender Solarstromerzeugung drohen Netzengpässe, Spannungsschwankungen und steigende Netzausbaukosten. Gemeinschaftsbatterien können diese Probleme gezielt entschärfen. Sie ermöglichen eine flexible, dezentrale Stabilisierung der Netze und unterstützen lokale Energiegemeinschaften. Um ihr Potenzial zu nutzen, braucht es jedoch neue Regeln oder Sonderregelungen sowie klare politische Unterstützung. Ein möglicher Weg ist die Umsetzung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie RED III, die Gemeinschaftsenergieprojekte und lokale Speicherlösungen ausdrücklich fördert. Australien zeigt, wie ein solcher Rahmen wirken kann: Die Regierung stellte 2022 rund 224 Mio. AUD für den Ausbau von Gemeinschaftsbatterien bereit. Ausgrid erhielt Fördermittel aus diesem Programm und von der Energieregulierungsbehörde – ein Beispiel dafür, wie klare Rahmenbedingungen die Energiewende beschleunigen können.


