Berlin – Viele deutsche Energieunternehmen sind auf der Suche nach passendem technischem Personal. Eine Personalagentur versucht, brasilianische Fachkräfte insbesondere für deutsche Netzbetreiber zu gewinnen. Carsten Beier, Gründer von Skilled Professionals, erläutert für energate die Hintergründe.
energate: Herr Beier, Sie rekrutieren brasilianische Fachkräfte für deutsche Netzbetreiber. Um was für Fachkräfte handelt es sich genau?
Beier: Aktuell befinden sich mehr als 100 Lebensläufe in unserem Kandidatenpool. Wir haben in Brasilien eine Social-Media-Initiative gestartet, passende Kandidaten ausgewählt und sie zu Präsenzveranstaltungen in drei Städten eingeladen. Für andere Regionen haben wir zwei weitere Webveranstaltungen organisiert. Den Schwerpunkt bilden Elektroingenieure aus dem Bereich Bau von Energieinfrastrukturen sowie Experten von Netzbetreibern. Danach folgen Elektroingenieure aus Industriebetrieben, Facility-Management (z.B. große Flughäfen) und von Offshore-Bohrinseln. Eine weitere Gruppe bilden Bauingenieure für Infrastrukturbau wie Stromleitungen und Anlagen, aber auch mit den Schwerpunkten Straßenbau, Brückenbau und -sanierung und Bau von Bahnstrecken. Umweltingenieure und Projektmanagement-Spezialisten runden das Angebot ab.
energate: Warum sind brasilianische Fachkräfte aus Ihrer Sicht attraktiv für deutsche Arbeitgeber?
Beier: Brasilien hat aufgrund der hohen Zahl an europäischen Einwanderern, unter anderem aus Deutschland, in den meisten Landesteilen eine stark christlich geprägte Kultur. In den beiden südlichsten Bundesstaaten stammen geschätzte 40 Prozent der Einwohner von deutschen Auswanderern ab. Kulturelle Unterschiede sind zweifellos klar erkennbar, aber weitaus geringer als zu vielen anderen Kulturen. Nach Indien hat Brasilien den zweithöchsten Anteil an Mint-Studenten in den sogenannten Drittstaaten. Die Metropolregion Sao Paulo ist nach der Anzahl der Beschäftigten der weltweit größte Standort der deutschen Industrie außerhalb Deutschlands. Dennoch sind diese vorteilhaften Fakten den meisten Managern in Deutschland und großen Teilen der Bevölkerung nicht bekannt.
energate: Der Umzug von Brasilien nach Deutschland ist ein großer Schritt. Was bringt brasilianische Fachkräfte dazu, diesen zu gehen?
Beier: In Brasilien gibt es für technische Fachkräfte nicht genügend attraktive Arbeitsstellen. Wohlstand durch Erfolg ist Motivation und Ziel vieler Brasilianer. Aufgrund der großen sozialen Unterschiede überwiegt der Wunsch nach sozialem Aufstieg und führt zu einer hohen Leistungsbereitschaft. Ohne es werten zu wollen – die Work-Life-Balance spielt eine untergeordnete Rolle. In Deutschland bieten sich für diese Fachkräfte durch unsere hohe Nachfrage bessere berufliche Perspektiven, die mit einem besseren Grundniveau bei Bildung und Gesundheitsvorsorge verbunden sind. Ein wichtiger Faktor für die Entscheidung ist auch das Niveau der persönlichen Sicherheit in Deutschland. Die Bedeutung des letzten Punktes können wir als Deutsche nur schwer erfassen. Das ist uns völlig fremd.


