Brüssel (energate) – Europas Einkaufsgemeinschaft rund um Energie und kritische Rohstoffe nimmt weiter Form an. Auf einer eigens dafür neu aufgelegten EU-Onlineplattform können sich Unternehmen jetzt registrieren. Der jüngst gestartete Aufruf der EU-Kommission richtet sich zum einen an Unternehmen auf der Nachfrageseite, die seltene Erden oder strategisch wichtige Metalle wie Lithium für die Produktion brauchen, etwa für Windräder, Solar- und Batteriezellen oder Elektrolyseure. Zum anderen sind auch Rohstoffhändler, -anbieter, Bevorratungsdienstleister und Finanzdienstleister aufgerufen, sich zu registrieren. Die erste Matchmaking-Runde soll im ersten Quartal 2026 starten.
Besagte Plattform ist eine Weiterentwicklung von „AggregateEU“, dem Mechanismus, über den die EU zunächst nur die Erdgasbeschaffung bündelte. Parallel zur Erweiterung dieser Einkaufsgemeinschaft um strategisch wichtige Rohstoffe schafft die EU-Kommission derzeit auch einen Mechanismus rund um die gemeinschaftliche Beschaffung von klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff. Hier ist die Kommission schon einen Schritt weiter und nimmt bereits Lieferangebote aus Drittländern entgegen.
Europa will wirtschaftliche Abhängigkeiten abbauen
Gesetzliche Grundlage für den gemeinsamen Einkauf von Rohstoffen ist ein Artikel im EU-Gesetz zur Steigerung der Versorgung mit strategischen Rohstoffen (CRMA). Die Kommission ist derzeit im Begriff, diese Grundlage zu erweitern. Noch vor Jahresfrist soll mit „ResourceEU“ ein Plan vorliegen, der neben dem gemeinsamen Einkauf auch Recycling, Vorratshaltung und Rohstoffpartnerschaften mit Drittländern umfasst. Ziel von „ResourceEU“ und der gemeinschaftlichen Beschaffung ist, die hohe einseitige Abhängigkeit von Lieferanten aus Asien und speziell China zu minimieren. Allein bei der weltweiten Förderung von seltenen Erden kommt China auf einen Marktanteil von 70 Prozent, bei der Verarbeitung sind es sogar 90 Prozent. Diese Marktmacht nutzte der chinesische Staat zuletzt auch, in der geopolitisch angespannten Lage über die Androhung von Exportbeschränkungen Druck für die eigenen politischen Interessen zu machen.
Rohstoff-Experten sehen „ResourceEU“ kritisch
An der EU-Strategie dagegen entzündet sich Kritik. „ResourceEU“ komme zu spät und sei zu kompliziert, monierte etwa unlängst Peter Tom Jones, Direktor des Instituts für nachhaltige Metalle und Mineralien (SIM) der belgischen Universität KU Leuven, bei einer Fachtagung im Oktober. Skeptisch zeigte sich der Experte dort unter anderem auch mit Blick darauf, welche strategische Rolle Recycling etwa von Lithium-Ionen-Batterien spielen kann. Einerseits falle zu wenig für die Rückgewinnung an, andererseits werde der anfallende Schrott derzeit ausgerechnet nach China exportiert. Zugleich warb Jones für „strategische Rohstoffpartnerschaften“.
EU knüpft neue Partnerschaften
Diesen Weg geht die EU bereits. So existieren solche Vereinbarungen etwa mit Norwegen, Kanada, der Ukraine, Kasachstan, Namibia, Chile, Argentinien, Sambia, dem Kongo und Grönland. Auf einer jüngst veröffentlichten Liste der EU finden sich insgesamt 60 strategische Kooperationsprojekte. Zu den Partnern dabei zählen demnach Länder wie Großbritannien, Serbien, Brasilien, Madagaskar, Malawi, Neukaledonien und Südafrika. /rl


