Bonn (energate) – Für die Transformation der Wirtschaft braucht es CO2-Preise von mehr als 200 Euro/t. Zu diesem Schluss kommt die neueste Studie des Transhyde-Projekts Systemanalyse. Der gesamteuropäische Wasserstoffbedarf wird bis 2030 auf etwa 104.000 GWh steigen, so das Papier. Der wichtigste Treiber beim H2-Hochlauf bleibe weiterhin die Industrie. Die Studie geht davon aus, dass der Wasserstoffverbrauch von 2030 bis 2050 etwa um das Siebenfache steigen wird.
Wasserstoffbasierte Produktion: Höherer CO2-Preis für Wettbewerbsfähigkeit
Da der EU-Emissionshandel (EU-ETS) die Nutzung fossiler Energien verteuert, werde die Wettbewerbsfähigkeit von klimafreundlichen Produktionstechnologien gestärkt. Das sei besonders relevant für Industrien, die künftig viel Wasserstoff nutzen könnten. In der Stahlindustrie könnte der Wechsel von kohlebefeuerten Öfen zur Direktreduktion durch Erdgas noch vor 2030 wirtschaftlich sein. Schließlich sind kohlebefeuerte Öfen sehr CO2-intensiv, weshalb der CO2-Preis diese Wettbewerbsfähigkeit unterstütze. Beim Umstieg von Erdgas auf Wasserstoff könnten CO2-Preise von 250 bis 300 Euro pro Tonne nötig sein, um die Gewinnschwelle zu erreichen.
Wasserstoffbedarf bis 2030 und 2050
Der industrielle Wasserstoffbedarf der 27 EU-Mitgliedsstaaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen (EU 27+3) wird sich im Jahr 2030 laut Transhyde auf 104.600 GWh belaufen. Das Gebiet der Europäischen Union wird in der Statistik in drei Hierarchien unterteilt: Nuts-1, Nuts-2 und Nuts-3. Die Studie untersucht den gesamteuropäischen H2-Bedarf anhand der Nuts-3-Regionen, diese sind von der Größe her vergleichbar mit deutschen Kreisen und kreisfreien Städten. 55 Prozent des Gesamtbedarfs liefen in weniger als 5 Prozent der europäischen Regionen zusammen. Genauer gesagt haben 46 Nuts-3-Regionen im Jahr 2030 laut Studie einen Wasserstoffbedarf von 500 GWh oder mehr. 24 dieser Zonen hätten sogar einen Bedarf von mehr als 1.000 GWh. Die Nachfrage dieser Bezirke sei stark von der Direktreduktion in der Herstellung von Rohstahl bestimmt. Zwölf dieser Bezirke haben allein aufgrund dieses Prozesses einen H2-Bedarf von 1.000 GWh und mehr. Bei der Direktreduktion wird Wasserstoff anstelle von Koks als Reduktionsmittel eingesetzt, um Sauerstoff aus Eisenerz zu entfernen und Prozesswärme bereitzustellen.
Von 2030 bis 2050 wird die Nachfrage nach Wasserstoff von 104.000 auf 779.000 GWh steigen, so das Papier. Der im Jahr 2030 festgestellte Trend, dass der Großteil des Gesamtbedarfs auf einige wenige Regionen fällt, sei im Jahr 2050 noch stärker ausgeprägt. Der Anteil von Nuts-3-Gebieten mit einem Jahresbedarf von über 1.000 GWh steige von zwei auf neun Prozent. Von diesen 111 Bezirken wiesen 15 einen Bedarf von über 10.000 GWh auf. Diese beiden Gruppen machen etwa 71 Prozent des Gesamtbedarfs an Wasserstoff im Jahr 2050 aus, wobei 34 Prozent des Gesamtbedarfs auf die 15 Bezirke mit dem größten Bedarf entfallen. /sr


