Zug (Schweiz) – Der Verein zur Dekarbonisierung der Industrie (VZDI) und die Schweizer Forschungsanstalt Empa haben eine Methan-Pyrolyse-Anlage auf dem Areal des Tech-Clusters Zug errichtet, teilte die Empa mit. Die Technologie kann Methan aus Bio- oder Erdgas in Wasserstoff und Kohlenstoff umwandeln. Im VZDI sind insgesamt 16 Unternehmen zusammengeschlossen, unter anderem auch der deutsche Technologiekonzern Siemens. Zusammen haben die Partner etwa 8,5 Mio. Euro in das Projekt investiert.
Die Anlage werde stündlich rund zehn Kilogramm Wasserstoff in 95- bis 99-prozentiger Reinheit produzieren, während pro Jahr etwa 66 Tonnen Kohlenstoff entstünden. Laut Plan soll die Anlage ab April 2026 in den Testbetrieb und ab 2027 in den industriellen Betrieb gehen.
Methan-Pyrolyse: Wasserstoff wird ohne Wasser erzeugt
Ein Vorteil der Technologie ist es, dass sie weniger Energie im Vergleich zur Elektrolyse verbraucht und ohne Wasser auskommt. Stattdessen erhitzt die Anlage das Methan in einem Mikrowellen-Reaktor. Dieser spaltet das Gas in Wasserstoff und Kohlenstoff in Pulverform auf. Auf diese Weise kann die Industrie Methan energetisch einsetzen, ohne dass dabei CO2 anfällt. Der bei der Pyrolyse entstehende feste Kohlenstoff könne zudem als Rohstoff wie Carbon Black eingesetzt werden, etwa bei der Herstellung von Reifen, für Batterien oder in Kleb- und Dichtstoffen. Möglich sei auch, den Kohlenstoff als CO2-Senke in Beton oder Asphalt zu integrieren, so die Empa. „Durch die Pyrolyse gehen circa 40 Prozent der Energie des ursprünglichen Methans und weitere rund zehn Prozent aufgrund von Verlusten im Prozess verloren. Unser Ziel ist es, trotzdem mindestens die gleiche oder sogar bessere Wertschöpfung wie bei Erdgas zu erzielen“, so VZDI-Geschäftsstellenleiter Andreas Bittig gegenüber energate. Möglich machen soll dies der Verkauf des Kohlenstoffs sowie die Nutzung der Abwärme und möglicher Zertifikate.
Der VZDI und Empa wollen die industrielle Pilotanlage bis Ende 2026 in den regulären Produktionsprozess des Herstellers von Haushaltsgeräten V-Zug einbinden. Der Wasserstoff soll in den Emaillierungsöfen zum Einsatz kommen, die zu den letzten großen CO2-Emittenten des Unternehmens gehören. Die Pyrolyse-Anlage sei aktuell so ausgelegt, dass sie etwa ein Drittel des Energiebedarfs der Öfen abdeckt. „Ziel ist, dass bis 2030 eine zweite oder erweiterte Pyrolyse-Anlage entsteht, um den Energiebedarf der Emaillierungsöfen zu 100 Prozent zu decken“, so Bittig.
Zukunftsvision: Synthetisches Methan
Langfristig solle die Anlage synthetisches Methan anstelle von fossilem Erdgas nutzen, erklärte die Metall Zug AG. Die Unternehmensgruppe treibt die Entwicklung des Tech Cluster Zug voran. Dieser Plan sieht den Import von synthetischem Methan aus dem „Sonnengürtel der Erde“ vor. Wenn das Methan aus Solarenergie, elektrolytisch hergestelltem Wasserstoff und der Atmosphäre entzogenem CO2 produziert würde, resultierten negative Emissionen. Dies könne den Bezug von Erdgas senken. Als „Sonnengürtel der Erde“ wird das Gebiet zwischen dem 20. und 40. Breitengrad auf der Nord- und Südhalbkugel bezeichnet. In diesem befinden sich zum Großteil Wüsten. /mj/sr


