Mannheim/Wisbech – Die bislang größte Einzelinvestition der MVV tätigt der Mannheimer Regionalversorger nicht in Deutschland. Für 500 Mio. Euro entsteht derzeit in der britischen Hafenstadt Wisbech ein Müllheizkraftwerk. Die Anlage „Medworth“ soll ab 2029 rund 625.000 Tonnen nicht recycelbaren Restmüll verwerten. Finanziert wird das Großvorhaben zu einem Großteil von der staatlichen KFW-Bank.
Die auf internationale Spezialfinanzierungen spezialisierte KFW Ipex stellt aus Eigenmitteln einen Kredit „im mittleren dreistelligen Millionenbereich“ in britischen Pfund zur Verfügung, teilte die Förderbank mit. Demnach hat das Geldhaus bei der Kreditlinie erstmals überhaupt eine externe Käuferkreditversicherung hinzugezogen, um das Projekt abzusichern. Partner ist die Schweizer Exportversicherung (SERV). Der Versicherer arbeitet vor allem für Banken wie KFW Ipex und schweizerische Exportunternehmen, außerdem ist die SERV auf Infrastruktur-Großvorhaben spezialisiert.
Wärme und Dampf für die benachbarte Industrie
Der Bau der MVV in Wisbech läuft bereits. Die inzwischen dritte Waste-to-Energy-KWK-Anlage der MVV auf britischem Boden kommt voll ausgebaut auf 50 MW elektrische Leistung und 45 MW thermische Leistung. Diese Wärme ist den Mannheimern zufolge dazu gedacht, die umliegende Industrie am Standort in der Grafschaft Cambridgeshire zu versorgen, um dort zur Dekarbonisierung der Produktion beizutragen. Überdies werde das Kraftwerk auch in der Lage sein, umliegenden Abnehmern Prozessdampf zu liefern, hatte die MVV zum Baustart der Anlage verkündet. Die Stromerzeugung reicht indes rechnerisch, um den jährlichen Bedarf von 150.000 Menschen zu decken. Tatsächlich ins Netz einspeisen will die MVV allerdings nur Stromüberschüsse.
In der Bauphase arbeiten 700 Menschen an der Realisierung der Anlage, für den Betrieb kalkuliert MVV mit 40 Vollzeitbeschäftigten. Realisiert wird das Heizkraftwerk von dem ebenfalls in der Schweiz ansässigen Waste-to-Energy-Anlagebauspezialisten Kanadevia Inova (ehemals Hitachi Zosen Inova). Die MVV-Müllverbrennungsanlage Medworth werde das 22. Projekt der Firma im Vereinigten Königreich sein, so das Cleantech-Start-up aus Zürich, allerdings ist es der erste EPC-Auftrag von der MVV. /pa


