Willich (enerchase) – Die vergangene Handelswoche wurde bei den Emissionszertifikaten mit einem deutlichen Plus von 3,3 Prozent bei 83,1 Euro/t CO2 geschlossen. Zum Wochenstart am Montag in der aktuellen Kalenderwoche 49 testete der EUA-Dezember-25-Future noch das Vorwochenhoch, konnte dieses aber nicht nachhaltig überwinden und ging 0,5 Prozent im Minus aus dem Handel. Die Schwäche setzte sich im Laufe der Handelswoche fort, am Donnerstag notierte der Dezember-Future gegen 12 Uhr bei rund 81,4 Euro/t CO2. Preisbelastend ist neben der Hoffnung auf Fortschritte im Friedensprozess des Ukrainekrieges insbesondere das Wetter. Für den gesamten Dezember wird eine überdurchschnittlich milde Witterung prognostiziert.
Reformvorschläge zur Marktstabilisierung im ETS 2
Die EU-Kommission hat in der vergangenen Woche vorgeschlagen, das künftige Emissionshandelssystem ETS 2 für Gebäude und Straßenverkehr durch eine Anpassung der Marktstabilitätsreserve zu flexibilisieren, um CO2-Preisspitzen abzufedern. Künftig sollen bei einem Preis über 45 Euro/t CO2 bis zu 80 Millionen Zertifikate pro Jahr zusätzlich aus der Reserve freigegeben werden können. Zugleich sollen Auktionen vorgezogen und eine Kreditfazilität mit der Europäischen Investitionsbank eingerichtet werden, um Klimainvestitionen vorzufinanzieren. Analysten erwarten, dass die Maßnahmen die Preise im ETS 2 bis 2030 um etwa 11 Prozent senken könnten. Auch wenn das ETS 2 noch nicht mit dem ETS 1 gekoppelt ist, zeigen die Vorschläge die Richtung auf, in die sich die europäische Klimaschutzpolitik auch für das ETS 1 bewegen könnte. Das kommende Jahr 2026 wird vor diesem Hintergrund spannend, denn es findet ein sogenanntes „Review“ des ETS 1 statt. Im dritten Quartal 2026 möchte die EU-Kommission Reformvorschläge vorlegen.
EU-Kommission veröffentlicht Carbon Market Report 2025
Der aktuelle Carbon Market Report bestätigt die Wirksamkeit des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) auch für das Jahr 2024. Die Emissionen aus der Stromerzeugung sanken gegenüber dem Vorjahr um knapp 11 Prozent, getrieben durch den Ausbau erneuerbarer Energien und den Fuel-Switch von Kohle zu Gas. Die Kohleemissionen fielen auf ein historisches Tief. Während die Industrieemissionen bei stabiler Produktion leicht sanken, verzeichneten Luftfahrt und der neu integrierte Seeverkehr (40 Prozent Abdeckung) Anstiege. Im Vergleich zu 2005 liegen die EU-ETS-Emissionen inzwischen etwa 50 Prozent niedriger, sodass die Kommission zuversichtlich ist, das für 2030 angestrebte Emissionsziel von minus 62 Prozent zu erreichen. Die Einnahmen von 38,8 Mrd. Euro flossen primär in Klimaschutzmaßnahmen. Für 2026 ist die Ausweitung auf weitere Treibhausgase wie Methan geplant. Die Europäische Kommission hat zudem bestätigt, dass die Obergrenze für Nicht-Luftverkehrsemissionen (Non-Aviation) im Rahmen des EU-ETS im Jahr 2026 um 8,7 Prozent niedriger sein wird als im Jahr 2025. Diese Anpassung ist Teil der Fit-for-55-Reformen und somit bereits bekannt.
Spekulanten setzen Long-Ausbau weiter fort
Die am Mittwoch veröffentlichten CoT-Daten der ICE Endex per 28. November 2025 bestätigen die Erwartungen. Angesichts des dargestellten Kursanstiegs von 3,3 Prozent in der Berichtswoche zeigt der Report, dass die Spekulanten ihre bullishe Ausrichtung weiter ausgebaut haben. Die Investmentfonds setzen ihren Long-Aufbau nach einer kurzen Konsolidierungspause fort und fungieren damit als wesentliche Preisstütze für die CO2-Zertifikate. Nachdem die Netto-Position in der Vorwoche (per 21. November) bei rund 101 Mio. EUA stagnierte, melden sich die Bullen nun deutlich zurück. Die Netto-Long-Position der Investmentfonds springt um 8,6 Prozent auf 109,8 Mio. EUA (Vorwoche: 101,0 Mio. EUA). Die Fonds scheinen überzeugt, dass der CO2-Preis fundamental weiter Luft nach oben hat. Erst klare und belastbare politische Signale, die regulatorischen Gegenwind andeuten, dürften an dieser robusten Positionierung etwas ändern. Aktuell sind diese für die Fonds jedoch offensichtlich nicht in Sicht.


