Hamm (energate) – Im langfristigen Stromhandel purzeln die Preise. Anfang November notierte der Jahreskontrakt 2026 noch bei über 90 Euro/MWh. Am Mittwoch, den 3. Dezember, kostete die Megawattstunde nur noch 85,44 Euro – ein Preisrückgang von gut 6 Prozent innerhalb eines Monats.
Am Day-Ahead hängt momentan alles von der Windeinspeisung ab. Weht der Wind, ist der Day-Ahead stabil. Weht er hingegen nicht, kann es zu empfindlichen Preisspitzen kommen. Im Betrachtungszeitraum war Letzteres am Mittwoch der Fall. Die Windenergieproduktion ging auf bis zu 2.200 MWh in der Mittagszeit zurück, der Tageskontrakt landete bei 164,81 Euro/MWh. In der Spitze kostete die Viertelstunde im Zeitraum 16:45 bis 17 Uhr 358,28 Euro/MWh. Drei Viertelstunden lagen bei über 300 Euro/MWh, insgesamt 23 überschritten die 200-Euro-Marke. 25 Viertelstunden blieben jedoch unter 100 Euro/MWh, wodurch das Preisniveau insgesamt zwar hoch war, jedoch nicht wie in der Vorwoche auf über 200 Euro kletterte. Bis Dienstag hielt sich hingegen die regenerative Erzeugung zwischen 30.000 und 36.000 MWh in der Tagesspitze. Der Day-Ahead lag in der Folge von Freitag bis Dienstag in einem Korridor zwischen 85 und 100 Euro/MWh.
Die am Mittwoch einsetzende Windstille wird noch bis Freitag anhalten. Die Preise des Mittwochs bleiben jedoch unerreicht. Der Donnerstag notierte bei 124,86 Euro/MWh, am morgigen Freitag sind 133,29 Euro/MWh fällig. Über das Wochenende erwarten Meteorologen dann wieder deutlich mehr Windeinspeisung, am Montag werden in den frühen Morgenstunden sogar Windspitzen von bis zu 45.000 MWh prognostiziert. Ein Händler erklärte gegenüber energate, dass der kurzfristige Handel generell gut auf wenig Wind vorbereitet sei. Risikoprämien bei wenig Wind seien eingepreist. Derzeit sei es jedoch so, dass 1.000 bis 2.000 MW zur Verfügung stehende Leistung darüber entscheide, ob die Preise stark anstiegen oder nicht. Er hielt es auch für denkbar, dass die Preise seit Mittwoch gefallen sind, weil Kraftwerke über mehrere Tage am Stück laufen konnten. Die sehr teuren kurzfristigen Einsatzzeiten fielen dann nicht so sehr ins Gewicht.
Futures sinken deutlich
Im Terminmarkt setzen der sinkende Gas- und CO2-Markt den Jahreskontrakt 2026 unter Druck. Bis Mittwoch ging er im Vorwochenvergleich um 1,86 Euro auf 85,44 Euro/MWh zurück. Auch am Donnerstagmittag gibt es keine anderen Signale. Das Frontjahr 2026 wird bei 85,44 Euro/MWh gehandelt. Seit Anfang November ist der Jahreskontrakt damit um 5,43 Euro gefallen, was einem Rückgang von gut 6 Prozent entspricht. Bullishe Anzeichen gibt es kaum. Sowohl im Gas- als auch im CO2-Handel drücken Hoffnungen auf Frieden in der Ukraine die Preise. Auch überdurchschnittlich warme Dezemberprognosen lassen die Preise sinken. Die Speicherfüllstände von aktuell rund 67 Prozent – das sind 17 Prozent weniger als Mittel der Jahre 2017 bis 2021 – spielen derzeit keine Rolle. Ein Analysehaus erklärte, dass die weiterhin stabilen LNG-Importe das unterdurchschnittliche Gasspeicherniveau komplett überschatten.
Der Händler zeigte sich skeptisch, ob das niedrige Preisniveau noch lange andauern werde. Es gebe derzeit zwei Händler-Lager. Die einen seien ob der niedrigen Gasspeicherstände unbesorgt, da das LNG in ausreichender Menge zur Verfügung stünde. Das zweite Lager, zu dem sich der Händler selbst zählt, verweise dagegen darauf, dass der Winter noch lang sei. Es sei daher Vorsicht geboten, denn die US-Gaspreise stiegen und China importiere wieder mehr Gas. Kalte Wetterverläufe in Europa und Südostasien könnten dann sehr schnell für eine hohe Volatilität sorgen. Gleichzeitig gestand der Händler ein, dass das erste Lager derzeit „auf der Siegerseite“ stünde. Er hält es für denkbar, dass die Gaspreis-Futures in den kommenden Monaten noch auf bis zu 25 Euro/MWh fallen, jedoch immer unter der Voraussetzung, dass das Wetter mild bleibt. Er riet außerdem dazu, auf die Wetterprognosen in den USA zu achten. Sollte es dort noch kälter werden, hätte dies auch Auswirkungen auf die Exportpreise. /rh


