Würzburg (energate) – Die Stadtwerke Würzburg gehen bei der Finanzierung des Netzausbaus neue Wege. Der Kommunalversorger bietet den Bürgerinnen und Bürgern der Region Genussrechte an, um sie so am Umbau eines Umspannwerks im Würzburger Stadtteil Dürrbachau zu beteiligen. Bis zu 6 Mio. Euro sollen über diese finanzielle Bürgerbeteiligung eingeworben werden. Dafür starteten die Stadtwerke nun die dritte Beteiligungsrunde. Das Bauprojekt soll insgesamt 23 Mio. Euro kosten und die Netzinfrastruktur der Region modernisieren. Solche Bürgerbeteiligungen von Kommunalunternehmen im Energiewende-Kontext sind längst keine Seltenheit mehr. Allerdings drehen sich diese Kapitalanlageangebote meist um Wind- oder Solarparks, wie bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall, die ein Beteiligungsmodell für eine PV-Anlage ins Leben gerufen haben. Auch die Stadtwerke Tauberfranken haben ein Modell für eine Photovoltaikanlage, zudem können die Bürger dort ein Fernwärmenetz und einen Windpark mitfinanzieren.
Bürgerbeteiligung stärkt Eigenkapital
Wer in die Genussrechte der Stadtwerke Würzburg investiert, erhält eine feste Verzinsung. Im Detail bietet die Tochtergesellschaft der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) zwei Varianten an. Energiekunden oder Mitarbeitende der WVV erhalten 3,75 Prozent Zinsen jährlich, während alle anderen 3,25 Prozent jährlich für eine Beteiligung erhalten. Die Anlagesumme reicht von 500 bis 25.000 Euro, die Mindestlaufzeit beträgt fünf volle Beteiligungsjahre. Erst danach ist eine ordentliche Kündigung möglich. Wer während der Laufzeit Energiekunde wird, kann in die höher verzinste Variante wechseln.
Die Vermögensanlage soll auch die Eigenkapitalquote der Stadtwerke stärken. Gleichzeitig hofft die WVV, dass durch Bürgerbeteiligung lokales Commitment zur Energiewende entsteht. „Mit unserer Bürgerbeteiligung geben wir den Menschen vor Ort die Möglichkeit, aktiv an der Energiewende unserer Region mitzuwirken – und gemeinsam Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung zu gestalten“, so Florian Binner, Referent Finanz- und Beteiligungsstrategie bei der WVV. Für die WVV sind Beteiligungsmodelle nicht neu. Bereits fünf PV-Anlagen in der Region sind auf diesem Wege mitfinanziert worden.
60 Prozent realisiert
Der Neubau des Umspannwerks in der Dürrbachau findet neben dem bestehenden Werk statt und startete im November 2021. Ende 2026 soll es in Betrieb gehen. Der Realisierungsgrad liegt nach Informationen des Vermögensanlagen-Informationsblattes bei rund 60 Prozent, „da ein Generalunternehmervertrag mit der Bayernwerk Netz GmbH zur Errichtung des Gebäudes und der 110-kV-Schaltanlage abgeschlossen wurde“. Installiert werden unter anderem Komponenten von Siemens Energy und Hitachi. /hp


